Weide


Weide

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1Wei|de ['vai̮də], die; -, -n:
(auf feuchtem Boden oder in Wassernähe wachsender) Baum mit lanzettförmigen Blättern an biegsamen Zweigen und Blüten in Kätzchen:
am Fluss stehen hohe Weiden.
Zus.: Korbweide, Trauerweide.
  2Wei|de ['vai̮də], die; -, -n:
grasbewachsenes Stück Land, auf dem das Vieh weiden kann:
eine grüne, fette Weide; Kühe grasen auf der Weide.
Syn.: Alm, Wiese.
Zus.: Bergweide, Sommerweide, Viehweide.

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Wei|de1 〈f. 19Angehörige einer Gattung der Weidengewächse (Salicaceae), eine Holzpflanze mit zweihäusigen, in Kätzchen zusammenstehenden Blüten: Salix (Korb\Weide, Sal\Weide, Trauer\Weide); Sy Weidenbaum [<mhd. wide <ahd. wida „Weide, Weidenbaum“, lat. vitis „Ranke, Rebe“, grch. itea „Weide“ <idg. *uei-, *ueie- „biegen, winden, drehen“; → weichen2]
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Wei|de2 〈f. 19
1. grasbewachsene Fläche, Wiese, auf der Vieh weiden kann (Vieh\Weide)
2. Ort, wo Tiere Nahrung finden (Fisch\Weide, Vogel\Weide)
● eine fette, gute, saftige \Weide; Vieh auf die \Weide führen, treiben [<mhd. weide <ahd. weida „Futter, Speise; Ort zum Weiden; das Futter-, Speisesuchen (= Jagd, Fischfang)“ <idg. *uei- „auf die Jagd, Nahrungssuche gehen, nach etwas trachten“]

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1Wei|de, die; -, -n [mhd. wīde, ahd. wīda, eigtl. = die Biegsame, nach den biegsamen, zum Flechten dienenden Zweigen]:
(auf feuchtem Boden, am Wasser) als Strauch od. Baum wachsende Pflanze mit elliptischen od. lanzettförmigen Blättern an biegsamen Zweigen u. zweihäusigen Blüten in Kätzchen.
2Wei|de, die; -, -n [mhd. weide, ahd. weida, eigtl. = Nahrungssuche, Jagd]:
grasbewachsenes Stück Land, auf dem das Vieh weiden kann, das zum Weiden genutzt wird:
eine grüne, fette, magere W.;
die Kühe, die Schafe auf die/zur W. treiben;
das Vieh grast auf der W., bleibt das ganze Jahr auf der W.

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I
Weide
 
[althochdeutsch weida, eigentlich »Nahrungssuche«, »Jagd«], Viehweide, Grünland, das im Unterschied zur Wiese nur durch Beweidung genutzt wird. Die klimatischen Voraussetzungen für Weiden sind v. a. dort gegeben, wo hohe Niederschläge fallen: in Gebieten mit ausgesprochen maritimem Klima, in Hochgebirgen (v. a. in den Alpen) und in den höheren Lagen der Mittelgebirge. Wo der Grundwasserstand zu hoch wird, sodass Gefahr für das Vieh besteht, tritt Wiese an die Stelle der Weide. Minderwertige Weiden werden als Hutungen bezeichnet. Die Nutzung der Weiden erfolgt am häufigsten in (großen) landwirtschaftlichen Betrieben, in ungünstigeren Naturräumen als Fernweidewirtschaft, oft im Rahmen der Transhumanz, und am Rande der Ökumene als Almwirtschaft (Alpen, Wirtschaft). Hutungen und viele Almen sind nicht eingezäunt (freie Weide). Ähnlich extensiv ist die Standweide, deren Einzäunung keine Unterteilung aufweist. Bei der Umtriebs- und Koppelweide ist die großräumige Fläche in einzelne Areale (Koppeln) unterteilt. Bei der Rations- oder Portionsweide wird den Tieren mit dem Elektrozaun nur soviel Weidefläche abgesteckt, wie für die Deckung ihres Futterbedarfs für einen Tag oder einen Teil des Tages nötig ist. Der Wechsel von Beweidung und Abmähen bei der Mähweide wirkt sich sehr günstig auf den Ertrag aus.
 
II
Weide
 
[althochdeutsch wīda, eigentlich »die Biegsame« (nach den zum Flechten dienenden Zweigen)], Salix, Gattung der Weidengewächse mit etwa 400 Arten, v. a. in den kalten und gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel; nur wenige Arten auf der Südhalbkugel (z. B. Patagonien; fehlen in Australien); Bäume (bis 30 m), Sträucher und Zwergsträucher (Letztere bis 1-2 m Höhe), meist laubwerfend; mit ungeteilten, selten gelappten Blättern und eingeschlechtigen, zweihäusig verteilten, überwiegend von Insekten bestäubten Blüten in ährigen Blütenständen. Die Früchte sind zweiklappige Kapseln; die zahlreichen Samen tragen an der Basis einen Haarschopf und sind nur kurze Zeit keimfähig. Einheimisch sind etwa 45 Arten, die aber in einer kaum überschaubaren Vielfalt miteinander Bastarde bilden; verbreitet sind u. a. an Flüssen und Waldrändern die von Europa bis Nordostasien heimische, geschützte, heute oft kultivierte Salweide (Palmweide, Salix caprea), ein 3-9 m hoher Strauch mit zuerst grau behaarten, dann kahlen und glänzend rotbraunen Zweigen; Kätzchen bis 7 cm lang, vor dem Aufblühen silberweiß glänzend (Palmkätzchen), erscheinen vor den breit elliptischen, unterseits graugrünen bis weißfilzigen Blättern; in arktisch-alpinen Gebieten Eurasiens und Nordamerikas die ebenfalls geschützte Netzweide (Salix reticulata) mit glänzend gelbgrünen Zweigen und breit eiförmigen, stark netzadrigen Blättern; besonders an Ufern und in Flusstälern Eurasiens die Korbweide (Salix viminalis), ein Strauch oder bis 10 m hoher Baum mit biegsamen, gelblichen Zweigen, die zum Korbflechten verwendet werden. - Als Ziersträucher werden häufig angepflanzt: Hängedotterweide, eine Kulturform der Weißweide mit langen, sehr dünnen, gelben Jahrestrieben, die als Bindematerial verwendet werden; ferner die Hängesalweide, eine Kulturform der Salweide mit in kurzem Bogen herabhängenden, ziemlich steifen Ästen. Im südlichen Asien ist die Trauerweide beheimatet.
 
 
Die Salicin enthaltenden Blätter und die Rinde verschiedener Weidenarten wurden schon im alten Ägypten als Heilmittel verwendet. Noch im 19. Jahrhundert dienten Blätter und Rinde als adstringierendes und fiebersenkendes Mittel. Pedanios Dioskurides empfahl zerriebene Weidenblätter zur Empfängnisverhütung, da bei Griechen und Römern die Weide als unfruchtbar galt. Die am Palmsonntag (statt echter Palmblätter) geweihten Zweige der Salweide sollten gegen Blitzschlag und Unwetter schützen.
 
III
Weide
 
die, Weida, polnisch Widạwa, rechter Nebenfluss der Oder, in Polen und Niederschlesien, 103 km lang, mündet in Breslau.
 

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1Wei|de, die; -, -n [mhd. wīde, ahd. wīda, eigtl. = die Biegsame, nach den biegsamen, zum Flechten dienenden Zweigen]: (auf feuchtem Boden, am Wasser) als Strauch od. Baum wachsende Pflanze mit elliptischen od. lanzettlichen Blättern an biegsamen Zweigen u. zweihäusigen Blüten in Kätzchen: ... den verwehten Weg an den kahlen, gekappten -n entlang (Wiechert, Jeromin-Kinder 439); die Elfenkönigin hatte sich ... gewiss frierend in eine von den hohlen -n verkrochen (Geissler, Nacht 78).
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2Wei|de, die; -, -n [mhd. weide, ahd. weida, eigtl. = Nahrungssuche, Jagd]: grasbewachsenes Stück Land, auf dem das Vieh weiden kann, das zum Weiden genutzt wird: eine grüne, fette, magere W.; die Kühe, die Schafe auf die/zur W. treiben; das Vieh grast auf der W., bleibt das ganze Jahr auf der W.; Wenn die Großmagd abends das Vieh von der W. rufen wollte ... (Radecki, Tag 116); Ü Eine fruchtbare W. für den Psychologen, der wissen will, welche Urbilder hier den Gläubigen bis zur Besessenheit beherrschten (Thieß, Reich 171).

Universal-Lexikon. 2012.

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